Die Spacken

Gunther Theboum: „Die Spacken – Zeitalter der Idioten“, Spackische Verlagsanstalt, 32 Seiten mit 32 farbigen Abbildungen, 19,90.

Zwanzig Jahre recherchierte und wertete Gunther Theboum Quellenmaterial aus, reiste bis ans Nordkap, fand auf Ultima Thule altes Pergament und konnte damit den Tacitus neu verorten und dessen teilweise herablassende Beschreibung der spachciae neu einordnen. Dies ist um so dringlicher, da das Netflix-Original „Die Spacken“ alte Klischees neu verpackt und formgerecht ins 21. Jahrhundert transponiert. Theboum zeichnet ein charmantes Bild und hebt das Liebenswerte am Nationalcharakter der Spacken hervor. Die Römischen Schlachtreihen vermochten sie beispielsweise nicht zu durchdringen, doch verwirrte die Taktik des „Torkelns“, welches durch Herunterstürzen gewaltiger Mengen Mets beim Blasen des Angriffshorns eingeleitet wurde. Nicht wenige Schlachten wurden so entschieden und endeten in einem blutigen Dahinmetzeln der über die eigenen Füße stürzenden Spacken.

„Die Spacken waren ein nördliches Kulturvolk“, so Theboum weiter, „das sich durch die Herstellung von Tonwaren auszeichnete.“ Der Historiker liefert endlich eine schlüssige Erklärung der Tonscherben, die tonnenweise in norddeutschen Hügelgräbern, aber auch im süddeutschen Raum oft von Landwirten beim Bestellen des Feldes im Frühling gefunden werden. „Die Spacken lebten in einem feinsinnigen kulturellen Zusammenhang“, so Theboum, „doch endete fast jedes Treffen zwischen zwei Spacken meist in einem oft sinnlos vom Zaun gebrochenen orgiastischem Met-Konsum, nach dem das Trinkgeschirr – auch genannt Krug, Schüssel oder bei Familienfeiern Trog – entweder nicht wieder richtig auf die Anrichte gestellt werden konnte, oder sie es einfach in kindischer Freude zerdepperten.“ Theboum bezieht sich auf eine Stelle des Redigund-Liedes aus dem 7. Jahrhundert n. Chr.

/„Swer gerne allez daz vernimet,/
/daz spuaken liuten wol gezimet,/
/sus hebet sich diz biaere/
/zerdepperet in fruohe mære.“/

Gewiss wüsste man mehr über die faszinierende Welt der Spacken, wären die Seefahrer auf ihren Eroberungszügen nicht von den zeitgleich aktiven Wikingern übertölpelt worden und deren Ratschlag („Richtung England immer links halten und dann an der Küste Spaniens hinunter immer der Nase nach.“) gefolgt. Doch im Gegensatz zu den konkurrierenden Nordmännern pflegten die Spacken eine rege orale Tradition, in der von Spacko zu Spacko das gesammelte Wissen der Ahnen („Nun, denn… Prost!“) über die Zeitläufte hinweg übertragen werden konnte.

„Mögen die Wikinger heute ausgestorben sein“, so Theboum in seinem Fazit, „ die Spacken haben sich auf alle Erdteile verstreut und habe ihre Sitten bewahrt. Dank der C14-Datierung können viele dieser heute auf Fahrradwegen kriechenden oder neben Landstraßen torkelnden Exemplare zweifelsfrei bestimmt werden.“ Auch habe sich eine ans Althochdeutsche anlehnende Konsonantenverschiebung („Lallen, das“) bewahrt und werde vor allem auf dem flachen Land mit viel Liebe zur Zierde des Volksstammes gepflegt.

Blurb

„Gunther Theboum hat ein anschauliches, dennoch fundiertes Buch über ein Volk geschrieben, von dem zu viel bekannt ist und über das zu noch zu wenige
Vorurteile verbreitet sind.“ Nordwestdeutschter Bote

Gunther Theboum: „Die Spacken – Zeitalter der Idioten“, Spackische Verlagsanstalt, 32 Seiten mit 32 farbigen Abbildungen, 19,90.

Cover-Inspiration: @itstheseekboi